Rücken


Prinzipien:
Nach heutigem Verständnis werden Rückenschmerzen verursacht durch ein Zusammenwirken von Strukturfaktoren („Verschleiß“, Bandscheibendegeneration etc.), Funktionsproblemen (allgemeiner Trainingsmangel, muskuläre Defizite, muskuläre Ungleichgewichte und andere muskuläre Probleme, Über- und Fehlernährung) und Stress (Belastungen und unser Umgang damit). Stress führt zu erhöhter Spannung bestimmter Muskelgruppen und kann dadurch am Schmerzgeschehen mitwirken.
 
Die relative Gewichtung dieser drei Belastungsfaktoren ist für jeden Patienten individuell. Ein Diagnose- und Therapieansatz, der sich nur auf der Ebene der Struktur bewegt (Röntgen, Kernspin-Tomographie etc.) greift daher oft zu kurz und führt zu enttäuschenden Ergebnissen.
 
Wesentlicher Teil unseres Konzeptes ist daher eine zusätzliche funktionsbezogene und rehaspezifische Diagnostik, ebenso wie bedarfsweise ein psychologisches Screening. Individuelle psychische und soziale Belastungsfaktoren können in Einzelgesprächen weiter geklärt werden. Aus dieser mehrdimensionalen Diagnostik ergibt sich ein Therapieansatz, der den wissenschaftlich begründeten Empfehlungen folgt, gleichzeitig aber die individuellen Belastungsschwerpunkte berücksichtigt. Ein konzeptioneller Schwerpunkt unserer Angebote liegt auf dem sogenannten „Alltagstransfer“. Wir erarbeiten mit unseren Patienten Antworten auf die Fragen „Wie kann ich die hier erlernten neuen Einstellungen und Verhaltensweisen in meinen Alltag umsetzen und beibehalten, um so eine langfristige Beschwerdebesserung zu erreichen?“
 
Rehaspezifische Diagnostik:
Die Strukturdiagnostik (Röntgen, Kernspin-Tomographie, Computer-Tomographie etc.) wird um eine gezielte funktionsbezogene Diagnostik erweitert. Diese beinhaltet immer die spezielle manualmedizinische Untersuchung im Rahmen der ärztlichen Diagnostik. Hierbei werden u. a. Beweglichkeitsstörungen auch kleiner Gelenke, gestörte Beweglichkeit von Nervenstrukturen, Abschwächung und Verkürzung von Muskeln sowie muskuläre Triggerpunkte erkannt und im Therapiekonzept berücksichtigt. Diese Funktionsdiagnostik kann bedarfsweise ergänzt werden durch Messverfahren zur Bestätigung von Muskelkraftdefiziten oder Muskelkraftungleichgewichten, zur Diagnostik von Defiziten in der Propriozeption sowie zur Analyse von arbeitsplatzbezogenen Problemen.
 
Der allgemeine Trainingszustand kann – auch als Grundlage für ein gezieltes Aufbautraining – im „IPN-Test“ oder in der Spiro-Ergometrie erfasst werden. Weitere funktionsbezogene Diagnoseverfahren stehen bedarfsweise zur Verfügung. Hinweise für die individuelle Stressbelastung ergeben sich aus dem ärztlichen Gespräch. Bei Bedarf oder auf Wunsch kann eine weitere Klärung im psychologischen Einzelgespräch erfolgen.
 
Therapie in Beispielen:
Muskuläre Defizite spielen eine große Rolle bei Rückenschmerzen – ein schmerzender Muskel ist jedoch nicht trainierbar. Die Behandlung der individuellen Funktionsprobleme und die nicht medikamentöse Schmerztherapie mit den Verfahren der Physiotherapie, der physikalischen Therapie ebenso wie ergänzender ärztlicher Verfahren sind deshalb ein Therapieschwerpunkt und einer der Kernkompetenzen unseres Hauses.
 
Die aktive Bewegungstherapie und die medizinische Trainingstherapie sind weitere unersetzliche Bausteine in der Behandlung von Rückenschmerzen. Neben dem Rückenschmerz sind viele weitere sogenannte Zivilisationskrankheiten mit einem Bewegungs- und Trainingsmangel vergesellschaftet, z.B. Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, aber auch Depressionen. Zahlreiche Bewegungsangebote in der Gruppe oder individuell, dem Thermalbewegungsbad oder im Trockenen dienen daher einer Verbesserung dieser Ausdauergrundlagen. 

Beim Wiederaufbau defizitärer Muskulatur ist Spezialistenwissen gefragt: Die größten Probleme beim Rückenschmerzbereiten liegen oft in den kleinen, wirbelsäulenstabilisierenden Muskeln (autochtone Rückenmuskulatur), die beim Maschinentraining im Fitness-Studio typischerweise nicht trainiert werden. Das Wiederansprechen dieser Muskeln durch Training an der Kletterwand, Training auf beweglichen Unterlagen, aber auch durch geeignete Eigenübungen ist Teil unseres Konzeptes.
 
Für das Training anderer Muskelgruppen ist der individuell angepasste Trainingswiderstand sehr wichtig. Das heißt: Der Trainingswiderstand richtet sich nach der individuellen Maximalkraft des Patienten. Auf vielen Geräten messen wir diese Kraft daher im Rahmen der Einweisung und erstellen mithilfe der Ergebnisse einen Trainingsplan, um so ein möglichst effizientes – und sicheres – Training für unsere Patienten zu gewährleisten.

Im „funktionellen Leistungstraining“ ist ein zusätzliches Training unter alltagsrelevanten Bedingungen möglich.

„Stress und wie wir damit umgehen“ spielt eine wichtige Rolle beim Rückenschmerz. Hier Ansätze für ein individuell besseres Stressmanagement zu geben, ist ein weiterer tragender Pfeiler unseres Therapieansatzes. Interdisziplinäre Schulungen und themenzentrierte Gruppen geben Information und Anregung für neue „Sicht- und Herangehensweisen“. Psychologen und Sozialarbeiter helfen, individuelle Anliegen zu klären.
 
Die Sportler wissen es: Für den Erfolg ist nicht nur das Training, sondern auch die Erholung zwischen den Trainingseinheiten wesentlich. Nicht nur Aktivität, sondern auch Entspannung ist deshalb Teil der Therapie. Aktives Entmüden im Rahmen des Regenerationstrainings, Anwendungen wie Wannenbad oder Thermopack, der Besuch der angeschlossenen Therme, vielleicht auch ein Spaziergang am Abend oder die Teilnahme an einem der von der Klinik organisierten Ausflüge gewährleisten dies.
 
Zurück in den Alltag:
Während Ihres Klinikaufenthaltes werden unsere Patienten unter fachspezifischen, aber auch unter allgemeinärztlichen Gesichtspunkten untersucht und betreut. Sie erhalten daher sowohl für ihr Rückenschmerzproblem als auch allgemeinmedizinisch konkrete weitere Diagnose- und Therapieempfehlungen. Berufliche Probleme konnten mit dem Sozialarbeiter geklärt werden, eventuell wurden durch unsere Zusammenarbeit mit dem Berufsberater der Hauptverwaltung auch schon weitergehende Perspektiven entwickelt.

Falls ein Patient wegen zusätzlicher Belastungen in psychologischer Einzelbetreuung war, konnte er ein Konzept für seinen weiteren Weg ausarbeiten. Jeder nimmt ein auf sein individuelles Problem zugeschnittene und hier selbst erlernte Übungen aus unserem Eigentrainingsprogramm als schriftliche Unterlage mit nach Hause. Auch Strategien für die Umsetzung und Beibehaltung des hier neu Erlernten für zu Hause wurden bereits während des Reha-Aufenthaltes erarbeitet.


Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd Orthopädie-Zentrum Bad Füssing

19.01.2009